Gestaltung und Technik (Digital), U10: Landing-Page

SeitTest-Zertifikat

„Unsere neue Website muss aber auch ´ne tolle Landing-Page haben, auf der die wichtigsten News stehen und unsere Fans auf Facebook dargestellt werden und so..!“
Quelle: Beliebiger Kunde. Häufiger auftretender Fall, insbesondere bei AD´s und PM´s von Agenturen.

Fällt leider in die Kategorie „Bullshit-Bingo„. Denn was oben zitierte eigentlich meinen, bezeichnet leider meist nur die Startseite.

Das kann man am leichtesten enttarnen, indem man einfach mal fragt: „Aber für welche konkrete Kampagne und welches Produkt denn?“ – diese Frage wird dann meist mit einem verständnislosen Blick erwidert. Spätestens dann wird klar, dass die Startseite gemeint ist. Denn genau die vorgenannten Elemente (News und andere „Ablenker“) sollten auf einer „echten Landingpage“ nämlich explizit keine Verwendung finden.

Definition einer Landing-Page

Eine Landingpage (..), selten auch Marketingpage, ist eine speziell eingerichtete Webseite, die nach einem Mausklick auf ein Werbemittel oder nach einem Klick auf einen Eintrag in einer Suchmaschine (Google, Bing, u. a.) erscheint. Diese Landingpage ist auf den Werbeträger und dessen Zielgruppe optimiert. Bei einer Landingpage steht ein bestimmtes Angebot im Mittelpunkt, welches ohne Ablenkung vorgestellt wird. Ein wesentliches Element ist die Integration eines Response-Elements (z. B. Anfrageformular, Link zum Webshop oder Call-Back-Button), das die einfache Interaktion mit dem Besucher sicherstellt.
Quelle: Wikipedia

Sinn und Zwecke einer Landing-Page

Der Sinn einer Landingpage ist, den Fokus auf ein bestimmtes Produkt zu lenken, auf eine Dienstleistung aufmerksam zu machen, für eine Non-Profit-Organisation Spenden zu sammeln oder einen anderweitigen „Lead“ zu generieren, wie z.B. die Registration für einen Newsletter, Registration auf der Plattform oder ähnliches – im Optimalfall natürlich einen Kaufabschluss.

Was aber macht eine Landingpage aus?

Man muss wissen, dass die meisten Webuser im Normalfall (außer zu Recherche-/Lernzwecken) eine Webseite nur überfliegen. Um den eigentlichen Sinn und Zweck sowie Mehrwert zu vermitteln, hat man nur wenige Sekunden Zeit. Die Bounce-Rate (Absprungrate) steigt mit zunehmender Zeit exponentiell an. Pauschal lässt sich die Verweilzeit auf einer Webseite nicht beantworten, im Schnitt spricht man aber von nur 10-30 Sekunden. Webseiten mit einer Verweildauer höher als anderthalb Minuten performen also schon ziemlich gut.

Ermitteln lässt sich das natürlich nur sinnvoll mit Analysetools wie Google Analytics, Piwik, HotJar oder einer Unzahl von anderen Diensten.

Bestandteile und Funktionen einer (guten) Landing-Page

Generell ist die Reduktion aufs Wesentliche das A und O einer Landingpage. Dabei gelten folgende Kriterien – ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

  • Das wichtigste: Alle Inhalte für die Erzielung eines Lead sollten „Above the fold“ (Oberhalb der Fläche, die ich erst nach Scrollen Erreiche) sein! Wenn es sein muss, können Sie weitere Inhalte darunter darstellen.
  • Auffällige Vorstellung des Produkts mit passendem Bild oder Illustration. Unter modernen Aspekten taugt dazu zB. ein Fullscreen-Hintergrundbild oder Video.
  • Da wir in kürzester Zeit User eher verlieren, als sie zum Verweilen zu überreden, muss direkt in der ersten Headline und dem ersten Textabsatz der Wert eines verlängerten Aufenthalts klar kommuniziert werden. Ist dies nicht der Fall, sinkt die Aufenthaltszeit rapide, die Bounce-Rate steigt dafür stark an. Siehe: Weibull-Verteilung.
  • Ein CTA („Call to Action“, Aktionsaufruf), der dem User klar macht, was er hier tun kann. Dieser sollte natürlich möglichst ansprechend wirken. Also recht gut performend haben sich hier Buttons wie aus Bootstrap bekannt oder – relativ modern – sogenannte „Ghost-Buttons“ erwiesen.
  • Je nach Lead-Ziel ein Registrationsformular, eine Kaufen-Funktion, Formular zum Eintragen einer Email-Adresse für den Newsletter.
  • Produktvideos haben gezeigt, dass sie sehr dazu taugen, die Anzahl der Leads zu erhöhen. Je nach Quelle spricht man hier von 120%-250% an höheren Lead-Zahlen.
  • Testimonials (Empfehlungen) von bestehenden Kunden. Auch wenn diese zugebenermaßen oft gefaked sind. Wenn man einen Fürsprecher mit attraktivem und symphatischen Nutzerphoto und einem ansprechenden Text offenbaren kann, der klar macht, in welcher Form der Kunde Nutzen aus dem Produkt zieht, weisen diese ebenfalls eine erhöhte Lead-Rate auf.
  • Möglicherweise eine potentielle Verknappung des Produkts z.B. durch einen Text wie „Einmaliges Angebot – Nur noch in den nächsten 48 Stunden verfügbar„. Interessanterweise führt dies rein psychologisch zu exponentiell höheren Leads, der User hat den Eindruck etwas zu verpassen, was er in dieser Form und zu diesem Preis sonst nie wieder erhalten kann.
  • Extrem schnelle Ladezeiten. Sorgen Sie dafür, dass die Seite in Lightspeed lädt! Was heutzutage eigentlich für jede Webseite gelten sollte, gilt insbesondere für Landingpages. Auch Sie haben keine Lust auf einen Verkäufer im Laden zu warten, bis er mal Zeit für Sie findet. Was offline gilt, gilt insbesondere online, vor allem da der User sich oftmals nur interessiert und unter Umständen für einen echten Abschluss eigentlich noch gar nicht bereit ist.
  • Schaffen Sie Vertrauen! Verfügen Sie über bestimmte Zertifikate? Zum Beispiel Verbraucherschutz-Siegel, TÜV Safer-Shopping-Siegel, TÜV SiegelTrusted Shops Siegel, dann blenden Sie sie auch ein!
  • Optimale Lesbarkeit! Dazu gibt es verschiedene Tools, wie zum Beispiel den von SeitTest.de. Diese Seite, die Sie grade lesen, verfügt über einen Lesbarkeits-Score von 2.7 (Befriedigend).
  • A/B oder Split-Testing. Wie gut performed nun die Seite? Wäre es nicht vielleicht besser gewesen, wenn wir den CTA hier oder dort positioniert hätten? Wäre eine andere Headline oder mehr Testimonials vielleicht besser gewesen? Funktionieren die Testimonials überhaupt oder sollten wir darauf lieber in Zukunft verzichten?

Worauf sollte ich bei einer guten Landing-Page verzichten?

Kurz: Alles unnötige, was nicht direkt mit dem Ziel der Landingpage zu tun hat! Im Einzelnen zum Beispiel folgendes:

  • Lange Headlines.
  • Lange, möglicherweise auch noch unstrukturierte Texte.
  • Unnötiges Bildmaterial – sorgt nur für längere Ladezeiten.
  • Lange Ladezeiten.
  • Komplexe Bedienungselemente.
  • Bei Blogs häufig eingesetzt – ein Sidebar. Der lenkt den Fokus nur vom Wesentlichen´.
  • Lange Formulare. Optimalerweise haben Sie nur ein/zwei Formularfelder und einen auffälligen Interaktionsbutton á la „Jetzt kostenlos bestellen„.

Beispiele für gute Landing-Pages

Weitere, als Galerien:

Split-Testing und Landing Pages Reports mit Google Analytics

Using the Landing Pages Report in Google Analytics

 

Weitere interessante Links zum Thema Landing-Page

  • https://blog.kissmetrics.com/what-converting-websites-do/
  • http://wiredimpact.com/blog/landing-pages-report-google-analytics/
  • https://de.wikipedia.org/wiki/Landingpage
  • https://support.google.com/analytics/answer/2531575?hl=de
  • https://support.google.com/analytics/answer/3306157?hl=de
  • https://support.google.com/analytics/answer/1308626?hl=de
Thomas A. Reinert
Freelancer, MediaDesign, CEO TARThemes.com bei TAR MediaDesign
Thomas ist (hauptsächlich) Frontend-Entwickler auf Basis von HTML5, CSS3 und jQuery. Nach insgesamt 35 Jahren Programmiererfahrung, 20 davon als Webentwickler und knapp 10 Jahren Wordpress hat er einen guten Einblick in das Backend, die Theme- sowie Plugin-Programmierung und individuelle Anpassungen an die jeweiligen Projektvoraussetzungen. Zusätzlich unterrichtet er als freier Dozent in der Berufsbildung und ist seit 2013 im Prüfungsausschuss der IHK Köln für "Mediengestalter Digital und Print, Fachrichtung Digital" tätig.

Schreibe eine Antwort

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht Required fields are marked *

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>